Was für ein Sommer! Kritiken WESER REPORT vom 12. Juli 2025 KURZKRITIK Was für ein Sommer! Wenn man den Schauspielerinnen und Schauspielern die Freude an ihren Rollen anzusehen glaubt, dann haben Autor und Regisseur vermutlich viel richtig gemacht. So geschehen bei der Premiere von Was für ein Sommer! im Boulevardtheater Bremen. Die Geschichte aus der Feder von Intendant Kay Kruppa ist schnell erzählt: Walli (Ramona Schlenker) fährt mit ihrem neuen Freund Justin (Marc Gelhart) ausgerechnet in das Haus auf Rügen, in dem sie zuvor zehnmal mit ihrem künftigen Ex-Mann Holger (Kai Hochhäusler) Urlaub gemacht hatte. Doch Holger hatte die gleiche Idee und logiert mit seiner neuen Partnerin Jackie (Miriam Distelkamp) in der Nachbarwohnung... Die Komödie ist eine mit viel Musik, die den Darstellenden quasi auf den Leib geschrieben ist. Damit wird aus dem heiteren Bäumchen-Wechsel-Dich-Spielchen ein Partyspaß mit bekannten Hits wie "So schmeckt der Sommer", "1.000 und 1 Nacht", "I Will Survive" – alle live gesungen. Insbesondere Miriam Distelkamp und Ramona Schlenker spielen ihre Musical-Erfahrung aus und brillieren mit Solo-Nummern. Auch Kai Hochhäusler muss sich nicht verstecken und Marc Gelhart, der das Stück inszenierte, ist als kalauernder Justin mitreißend komisch. Ein weiteres Element macht das Stück besonders: Kruppa hat zahlreiche Goethe-Zitate in die Dialoge eingeflochten. Und so trifft der große Dichter im Tabakquartier auf ABBA. "Goethe takes it all", könnte man sagen. WESER-KURIER vom 05. Juli 2025 Warum "Was für ein Sommer" bestens unterhält VON ALEXANDRA KNIEF Blöd nur, dass Holger mit seiner neuen Flamme Jackie (Miriam Distelkamp), einer Goethe-liebenden Deutschlehrerin, die gleichen Pläne geschmiedet hat und in die Wohnung nebenan eincheckt – unwissend, dass ihn nur eine Wand von seiner Frau trennt. Als die beiden schließlich aufeinandertreffen, ist die Entspannung dahin. Aber weil Jackie und Justin sich ganz gut verstehen, beschließen auch Holger und Walli, irgendwie das Beste aus der Situation zu machen. Nach "Kann ich reinkommen?" ist "Was für ein Sommer" das zweite allein verfasste Stück von Theaterintendant Kay Kruppa (Inszenierung: Gelhart). Passend zum Titel soll es in den kommenden Wochen all die Menschen unterhalten, die mal eine Pause von der Sonne brauchen und lieber zwei Stunden im Theatersaal verbringen wollen. Und damit das Ganze noch mehr Spaß macht, ist die Geschichte gespickt mit feinster, live gesungener Musik, die für sehr lustige, aber auch mal für nachdenkliche Momente sorgt. Marc Gelhart gibt seinen Justin als lebenslustigen Schauspieler, der davon träumt, einmal den Mephisto in Goethes "Faust" zu spielen. Über seine eigenen Witze lacht er stets besonders laut und kann gar nicht verstehen, warum Walli unbedingt noch die Küche sauber haben will, bevor sie zum Strand gehen. Und warum es ein Problem ist, dass seine Unterwäsche überall im Bad herumliegt. Ramona Schlenker als Walli hingegen vergeudet ihren Urlaub damit, sich über ihren baldigen Ex-Mann aufzuregen, ohne zu merken, dass ihre eigenen Macken recht ähnlich sind. Die Einsicht, dass sie einen Fehler gemacht hat, als sie Holger in den Wind geschossen hat, findet mit einem klasse gesungenen "The Winner Takes It All" von ABBA ihren Höhepunkt. Holger, der nicht nur ordnungsliebend, sondern auch ein Hypochonder ist, sorgt sich auf der anderen Seite des Hotels vor allem darüber, dass seine Ohren mal wieder zugehen. Seine Lösung: Daumen draufdrücken und laut röhren, ganz zur Freude der anderen Urlauber – und ein lustiger Running Gag, der sich durch das gesamte Stück zieht. Kai Hochhäusler spielt seine Rolle charmant und witzig. Ein Highlight: seine Peter-Maffay-Interpretation auf dem Tisch, mit den Schuhen an den Knien. Und dann wäre da noch Miriam Distelkamp, die ihre Jackie gut gelaunt und tiefenentspannt spielt. Ähnlich wie Justin will sie lieber in den Tag hineinleben, als sich im Urlaub um eine saubere Bude zu sorgen. Mit Ellie Gouldings "Love Me Like You Do" bekommt auch sie ein tolles Gesangssolo. Das wie immer hübsch gestaltete Bühnenbild von Lisa Dittus – zwei identische Terrassen vor einem hübschen, weißen Gebäude, hinter dem der Sonnenauf- und -untergang die Szenerie jeweils ins richtige Licht taucht – gibt dem Zuschauer direkt Sommer-Ferienwohnung-Vibes. Hits der Sportfreunde Stiller, von Klaus Lage, Connie Francis, Gloria Gaynor, Bonnie Tyler und anderen tun ihr Übriges. "Was für ein Sommer" ist eine schöne, leichte Sommerkomödie, die auch den Zuschauern noch einmal vor Augen führt, dass wohl jeder Mensch so seine ganz eigenen Macken hat. Wichtig ist nur, dass sie mit denen der anderen zusammenpassen. INFO KREISZEITUNG vom 05. Juli 2025 Goethe war gut VON THOMAS KUZAJ Ausgangspunkt der bühnenreifen Sommerfrische ist eine klassische Komödienkonstellation. Sommer für Sommer ist Walli (Ramona Schlenker) mit ihrem Mann Holger (Kai Hochhäusler) nach Binz auf Rügen gekommen, immer in die gleiche Ferienwohnung. Nun hat sie sich von ihm getrennt und sucht das Sommerglück zwar am gleichen Ort, aber mit neuem Partner (Justin, gespielt von Marc Gelhart, der auch Regie führt). Walli weiß nicht, dass auch Holger so gedacht hat wie sie – und in der Wohnung nebenan gelandet ist. Natürlich nicht allein, sondern ebenfalls in neuer Begleitung: mit Jackie (Miriam Distelkamp). Ahnen Sie, wie die Sache ausgeht und wer sich am Ende in den Armen liegen wird? Genau. Sie haben recht. Aber egal – die sommerliche Leichtigkeit der von einem schön eingespielten Quartett gezeigten Handlung bildet hier eher so etwas wie einen Rahmen für ein sonniges Bühnenspektakel mit sehr viel Musik. Die Songauswahl schlägt einen gleich mehrere Generationen überspannenden Bogen von Connie Francis („Die Liebe ist ein seltsames Spiel“, 1960) über Klaus Lage („1.000 und 1 Nacht“, 1984) zu Ellie Goulding („Love Me like You Do“, 2015). Die Choreographien dazu könnten besonders im ersten Akt einen Tick mehr sommerliche Leichtigkeit vertragen. „Was für ein Sommer!“ ist nach „Kann ich reinkommen?“ das zweite Stück, das Intendant Kay Kruppa im Alleingang geschrieben hat. Gut, dass er sich nicht nur auf die luftige Hülle der Rahmenhandlung verlässt, sondern den Figuren ein paar Schrullen und Eigenheiten und damit auch einen erfrischenden Hauch von Tiefe mitgegeben hat. Justin amüsiert sich stets sehr über seine eigenen Witze. Holger hat einen Putzfimmel und einen Hypochonder-Tick. Walli findet Ordnung und Sauberkeit auch ziemlich wichtig. Jackie, Deutschlehrerin, verehrt Goethe, denn der war gut. Justin, Schauspieler, hat eine Traumrolle, Mephisto in Goethes „Faust“. Goethe also hat etwas Verbindendes, etwas unverhofft Sommerliches, wer hätte das gedacht? Regisseur Gelhart jedenfalls setzt all die Marotten und Eigenheiten der Figuren mit ökonomischer Klarheit punktgenau ein, um die Geschichte voranzutreiben. Hin und wieder sorgen stillere Momente für das nötige Gegen- oder Gleichgewicht, damit die Sache nicht ins Alberne kippt. Ein besonders berührender dieser Momente ist Wallis Version des Abba-Songs „The Winner Takes it All“: Ramona Schlenker lässt die emotionale Tiefe und auch Bitterkeit dieses Songs aufscheinen, bevor dann – natürlich – am Ende doch alles wieder gut wird. Kaum verwunderlich also, dass Darsteller und Publikum zum Schluss praktisch eine gemeinsame Sommerparty feiern, soweit das in einem Theatersaal möglich ist. Zuvor aber wird noch einmal Goethe zitiert, wer sonst: „Auch das ist Kunst, ist Gottes Gabe, aus ein paar sonnenhellen Tagen sich soviel Licht ins Herz zu tragen, dass, wenn der Sommer längst verweht, das Leuchten immer noch besteht.“ Das Boulevardtheater Bremen spielt sein Sommerstück bis zum 17. August; insgesamt sind 21 Vorstellungen geplant. Karten unter dieser Adresse. WESER-KURIER vom 12. August 2024 Weyher Theater begeistert mit musikalischer Komödie VON JÜRGEN JUSCHKAT Die von Kay Kruppa speziell für die Open-Air-Bühne beim historischen Erbhof geschriebene und von Marc Gelhart inszenierte Komödie traf genau den Geschmack des Publikums auf den weit mehr als 400 Plätzen. Die Kulisse besteht aus einer für Binz typischen weißen Häuserfront mit zwei Ferienwohnungen, in denen auf der Ostsee-Insel Rügen zwei junge Paare ihren Sommerurlaub verbringen. Die beiden Unterkünfte sind teilweise durch eine Wand voneinander getrennt und sehen im Terrassenbereich – bis auf die hängenden Pflanzen – mit Leuchtturm, Blumenarrangement, Tisch, Sitzgelegenheiten und Liegestuhl völlig identisch aus. Und auch die Handlungen und Gespräche der beiden Urlauber-Parteien gleichen wie einem Ei dem anderen. Das Pikante an der Urlaubskomödie ist, dass zwei in Trennung lebende Ehepartner mit neuem Freund beziehungsweise neuer Freundin gleichzeitig dort Urlaub machen und irgendwie an die Vergangenheit erinnert werden. Immerhin haben die Ex-Partner vorher schon zehn Mal in diesem schönen Ort und im gleichen Haus Entspannung gesucht. Waltraud (Ramona Schlenker), genannt Walli, ist mit Schauspieler Justin (Marc Gelhart) angereist, der gerne einmal den Mephisto in Goethes Faust spielen möchte. Der Ex und Noch-Ehemann Holger (Kai Hochhäusler) – ein penibler Versicherungsvertreter aus der Schadensabteilung – hat die Deutschlehrerin Jackie (Miriam Distelkamp) mitgebracht. "Wenn ich überhaupt über sie hinwegkomme, dann hier", sagt Holger über seine Ex. Walli hingegen erzählt nachts von früher. Ob das wohl gut geht? Plötzlich treffen alle Personen aus diesem Quartett aufeinander, was der Situation eine weitere pikante Note verleiht. Da werden positive und negative Eigenschaften angesprochen und plötzlich über Kreuz Sympathien entdeckt. Immer wieder lockern Hits wie "Holding out for a hero", "Es war Sommer", "Die Liebe ist ein seltsames Spiel"“, "Mama Mia" und "Wenn ein Traum zu Ende geht" völlig passend das Geschehen – begleitet von der theatereigenen Band – auf. Für die Musik im Hintergrund zeichnen Patrick (Gitarre) und Kevin Kuhlmann (Schlagzeug und E-Piano) sowie Michael Haupt (Gitarre) verantwortlich. Es begeisterten bei der Premiere zwar alle vier Darsteller mit ihren gut abgestimmten Gesangseinlagen, doch besonders Ramona Schlenker und Miriam Distelkamp überzeugten mit ihren klaren und durchdringenden Stimmen die Zuschauer, die natürlich per Kopf-Mikrofon übertragen wurden. Die Szenen gleichen irgendwie einer Modenschau, denn es ist schon beachtlich, wie viel Kleidung die vier Personen in ihrem Reisegepäck mitgebracht haben. Natürlich passt die farbenfrohe Kleidung zu Sommer, Sonne und Strand. Was Goethe, ein röhrender Hirsch, übertriebene Ordnung, Grauburgunder, Matjes, eine Hunde-Allergie sowie eine Spinne mit dieser Theater-Komödie verbindet, das müssen Neugierige schon selbst herausfinden. Immerhin gibt es bis Ende des Monats jeweils am Freitag, Sonnabend und Sonntag dazu die Gelegenheit. INFO KREISZEITUNG vom 12. August 2024 Rangelei auf Rügen VON HEINER ALBRECHT Stehende Ovationen am Ende der Vorstellung und Zugabe-Rufe waren letztendlich ein sicheres Indiz dafür, dass es dem Publikum gefallen hatte. Speziell die Mischung von Theaterkunst und gespickt mit einer vielfältigen und immer sehr passend zu den einzelnen Theaterszenen ausgesuchte und abwechslungsreichen Musikauswahl passte einfach genial: Alles live gesungen und von der Theaterband begleitet, teilweise durchs Publikum marschierend lieferten die vier Schauspielerinnen und Schauspieler eine tolle Leistung ab. Das Ensemble nimmt das Publikum mit in zwei schöne Ferienwohnungen nach Binz auf Rügen – besser gesagt, auf die Terrassen der nebeneinanderliegenden Ferienwohnungen. Die Kulisse einfach, aber mit einem gewissen Charme. In der Mitte, etwas versteckt, die drei Musiker der Theaterband. Tische, Stühle, Sonnenliege und blühendes Dekomaterial lenkten nicht ab von der Schauspielerei und dem Gesang der vier Hauptdarsteller. Wie schön es auf Rügen ist, weiß auch Waltraud, genannt Walli, aufgrund langjähriger Erfahrung mit ihrem Ex Holger. Schließlich haben sie die letzten zehn Jahre dort gemeinsam verbracht, bis sie sich vor einem halben Jahr wegen seiner permanenten Stieseligkeit von ihm getrennt hat. Nun hat sie seit kurzem ihren neuen Freund Justin, und der soll die Insel auch gleich von ihren schönsten Seiten kennenlernen. Unglücklicherweise hat auch Holger so gedacht und versucht, die Trennung von Walli genau hier zu verarbeiten – und zwar zeitgleich in der Nachbarwohnung und in Begleitung seiner neuen Freundin Jackie. Da die Gärten des getrenntlebenden Paars aneinandergrenzen, dauert es auch nicht lange, bis sich beide über den Weg laufen und die ersehnte Erholung dahinschwindet. Gewalt ist keine Lösung, gemeinsame Einkäufe an der Käsetheke oder trainieren im Fitnessstudio auch nicht. Konflikt hier, Konflikte da, Rededuelle wunderbar unterbrochen von Gesangseinlagen "Mama Mia", Abba, "Es war Sommer", Peter Maffay, "Die Liebe ist ein seltsames Spiel", Connie Francis bis hin zu Klaus Lages "1001 Nacht". Es wurde zum Teil mitgesungen im Publikum, Geklatsch und bestimmt Erinnerungen an vergangenen Zeiten hervorgerufen. Lieder, die eben bekannt sind. Aber auch ernste Goethe-Zitate wurden in die Sprechrollen eingebunden – und dann der Sprung auf den Tisch von Holger und das Lied "Nessaja". Herzzerreißend mit Sommerabendfeeling vor dem ehrwürdigen Hintergrund, das brachte Handylampen zum Strahlen. Eine Kulisse eben, die es nur Open-Air gibt und in dieser Form mit der Erbhofbühne auch nur in Thedinghausen. Weitere Vorstellungen Jeweils von 16. bis 18. August, 23. bis 25. August sowie vom 30. August bis 1. September gibt es freitags und samstags eine Vorstellung ab 19.30 Uhr sowie sonntags um 17 Uhr. Karten gibt es im Internet unter www.weyhertheater.de. broadwayworld.com vom 12. August 2024 Review: WAS FÜR EIN SOMMER at Weyher Theater By: Konstantin Georgiou Was für ein wunderbarer Abend! Die Premiere des Boulevard-Theaterstücks "Was für ein Sommer!" auf der Open-Air-Bühne im Schlossgarten des Schlosses Erbhof war ein voller Erfolg. Die laue Sommernacht, das malerische Ambiente und die mitreißende Darbietung sorgten für eine unvergessliche Theatererfahrung. Miriam Distelkamp war zweifellos der strahlende Star des Abends. Ihre Gesangsleistung war herausragend, und besonders ihre Interpretation von Ellie Goldings "Love me like you do" war für mich der absolute Höhepunkt des Abends! Miriam Distelkamp, die auch sonst auf anderen Bühnen mit ihren ABBA-Darbietungen begeistert, war hier auf vertrautem Terrain, als sie gleich drei ABBA-Songs im Stück performte! Ein besonderes Lob gebührt auch dem pointenreichen Buch von Kay Kruppa. Man ist von ihm bereits diese Qualität gewöhnt, und er hat auch diesmal nicht enttäuscht. Die Dialoge sprühten vor Witz und Charme, und das Publikum kam aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Die Chemie zwischen den Darstellern war spürbar, und die Inszenierung von Marc Gelhart, der auch selbst sehr präsent auf der Bühne stand, war einfach brillant. Sein Gespür für Comedy-Timing half nicht nur ihm selbst, sondern auch Ramona Schlenker und Kai Hochhäusler, ihre Rollen mit Leben und viel Humor zu füllen. "Was für ein Sommer!" ist ein heiterer, musikalischer Genuss, der nicht nur durch seine hervorragenden Darsteller und die spritzige Inszenierung glänzte, sondern auch durch die stimmungsvolle Musik, die den Sommer perfekt einfing. Dieses Stück ist ein Muss für alle, die einen unbeschwerten und unterhaltsamen Theaterabend erleben möchten. Ein gelungener Auftakt in eine hoffentlich ebenso sonnige Theatersaison! Der Vorverkauf für die zwölf Vorstellungen (jeweils freitags und samstags 19.30 Uhr, sonntags 17 Uhr) bis einschließlich 1. September läuft ausschließlich über das Weyher Theater, auch online unter www.weyhertheater.de Termine |